Hinterstein

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Am hiesigen 50 Jahre jungen Bergrutsch (von 1964) gab es schon seit einigen Jahren den ersten Allgäuer Boulderparcours mit 31 Nummern in faszinierender Umgebung. Mittlerweile wurde das enorme Potenzial des Blockfeldes weiter entwickelt und nach derzeitigem Stand (Juni 2017) gibt es hier über 800 Boulderprobleme in nahezu allen Schwierigkeitsgraden.

Der weite Talkessel von Hinterstein

 

Durchs Gebiet ziehen sich mittlerweile 5 Parcours (Gelb, Orange, 2xBlau, Schwarz) und zusätzlich findet man jede Menge Einzelprobleme.

 

Lage:     Nähe Sonthofen / Hindelang; im Ostrachtal bei Hinterstein.
Parken:  In Hinterstein, Parkgebühr 2,50 EUR / 24 h.

Klima:   Nord-Osthang, im Sommer nahezu ganztags Sonne, in der Übergangszeit Sonne bis ca. 15:00-16:00 Uhr, in der kühlen Jahrezeit nur morgens Sonne. Nach Regen extrem schnell trocknend!
Fels:      Dolomit und Mergel, der Fels klettert sich wie eine Mischung aus Sandstein und Gneis.

Absprunggelände:

Im freiliegenden Bereich ist das Gelände stark verblockt. Mit einer kleinen Rollmatte und einer zusätzlichen Sitzmatte können jedoch die meisten Probleme auch alleine geklettert werden, zumindest, wenn man einigermaßen weiß, was man tut. Mit einer großen Rollmatte und einer zusätzlichen Sitzmatte sind so gut wie alle Probleme gut machbar. Für eine Handvoll sehr hoher Blöcke sind 2 große Matten und ein Spotter empfehlenswert. Die Probleme an den sehr hohen Blöcken können auch vorher mit Seil angeschaut werden, meist sind oben Haken vorhanden.

Bei den Blöcken im Wald ist das Absprunggelände weitaus ebener als im Freien. Bis auf einige sehr hohe Sachen kann man auch die meisten Probleme in diesem Bereich alleine und mit einer Matte gut machen.

Die in manchen Online-Foren kursierende Aussagen, dass man mindestens 3 Matten und mehrere Spotter benötigt, sind in keinster Weise begründet! Wer Bouldergebiete im Freien im alpinen Bereich kennt und weiß, wie man eine Matte vernünftig positioniert, wird in Hinterstein problemlos zurecht kommen.

Topo:    Allgäu-Block, GEBRO Verlag

Videos: Derzeit 4 Videos auf dieser Seite, von den Boulderproblemen "Yggdrasil" (Originalmethode), "Yggdrasil" (neue Methode 7c/c+), "Steinzeit" (6a) und "Powerload" (8a)

 

Sonstiges:

 

Boulder
Etwa 700* Boulder Fb 1 - Fb 8a+/b

Fb 1-3 : 178

Fb 4:     112

Fb 5:     144
Fb 6:     180
Fb 7:      76
Fb 8:      10

 * Die Zahlen beziehen sich auf den Stand Frühjahr 2016, Stand Juni 2017 gibt es mehr als 800 gekletterte Probleme

 

Die Art der Kletterei im Gebiet ist sehr vielfältig und von der geneigten Reibungsplatte bis hin zum mächtigen Dach ist hier alles zu haben. Insgesamt gesehen sind die Boulder - im Unterschied zu den vielen Urgesteingebieten des Alpenraums - technisch häufig ziemlich anspruchsvoll, was im Umkehrschluss aber keinesfalls bedeutet, dass man in Hinterstein keine Kraft benötigen würde. Ganz im Gegenteil, auch in Sachen Athletik sollte man über ordentliche Reserven verfügen, denn ein nicht unerheblicher Teil der Boulderprobleme ist doch recht steil.

 

Wichtige Regeln beim Bouldern

Das Gebiet ist sehr verblockt, manche Boulderprobleme sind sehr eng. Das Vermeiden des Berührens von Nebenblöcken ist bei manchen Bouldern daher ein elementarer Bestandteil der Schwierigkeit. Wer also eine korrekte Begehung für sich verbuchen möchte, muss darauf achten, dass keine Nebenblöcke berührt werden, es sei denn, diese sind mit einer Markierung in den Boulder "integriert".

Die wichtigsten Boulderregeln:

- Nur der Block mit dem jeweiligen Boulderproblem ist erlaubt (es sei denn ein Nachbarblock ist mit einem entsprechenden Punkt dazu definiert).

- Manche Stehstarts sind zwingend von dem Block zu starten, der mit einem Punkt (gleichfarbig wie das Problem selbst) definiert ist.

- Sitzstarts in der Regel OHNE dicke Matte, maximal eine dünne Sitz-Pad.

- Sitzstarts mit beiden Händen genau an den beiden markierten Startgriffen.

- Manchmal sind auch Punkte angebracht, bei denen man am Start (Sitz- oder Stehstart) zu stehen hat (manchmal tief aus Loch und nicht gleich irgendwo hoch hooken)

- Beim Sitzstart verlässt das Hinterteil als letztes den Boden.

- Dabei ist darauf zu achten, nicht dynamisch mit dem Hintern "abzuheppen", sondern man muss stabil abheben und darf erst dann den ersten Zug ausführen!

- Jegliche Berührung von Boden, Matte, Nachbarblock oder Sonstigem ist beim Bouldern tabu, egal ob mit dem Körper, Hose, T-Shirt etc pp.....

 

Die Parcours

Gelb Nr. 3 - PD (Abkürzung für "Peu Difficile" auf deutsch "wenig schwierig"): 107 Einzelprobleme

Ein mit gelber Farbe gekennzeichneter Parcour bietet den Einsteigern im Bouldersport ein reichhaltiges Betätigungsfeld. Bei den insgesamt 107 Nummern des Parcours hat man auf insgesamt etwa 400 m Kletterstrecke eine ganze Menge zu tun, zumal man so ganz nebenbei bei einer Begehung noch den halben Felssturz durchqueren muss.

Orange Nr. 1 - AD+ (Abkürzung für "Assez Difficile" = "ziemlich schwierig"): 78 Einzelprobleme bis Fb 5-

Wer es bereits etwas anspruchsvoller mag, dem steht im nächsten Schwierigkeitslevel ein orangefarbener Parcour mit 78 Nummern zur Verfügung.

Blau Nr. 4 - TD+ (Abkürzung für "Très Difficile" = "sehr schwierig"): 70 Einzelprobleme bis Fb 7a

Blau Nr. 5 - TD (Abkürzung für "Très Difficile" = "sehr schwierig"): 67 Einzelprobleme bis Fb 6a+ (Varianten bis 6c)

Wem Orange auch noch nicht Herausforderung genug ist, der kann sich an 2 blau markierten Parcours mit 70 sowie 67 Einzelproblemen ausgiebig die Finger lang ziehen. Parcours Nr. 5 beginnt am Ende von Parcours Nr. 4, sodass die beiden problemlos zu 137 Nummern zusammengehängt werden können.

Schwarz Nr. 2 - ED++ (Abkürzung für "Extrèmement Difficile" = "äußerst schwierig"): 77 Einzelprobleme bis zu  Fb 7c+/8a

Auf die ganz harten Jungs und Mädels wartet schließlich noch ein knallharter schwarzer Parcours.....

Einzelprobleme: derzeit bis Fb 8b

Darüber hinaus gibt es noch jede Menge, zwar markierte, aber nicht in Parcours eingebundene Einzelprobleme zu entdecken. Diese finden sich in großer Zahl im freiliegenden Blockfeld aber vor allem auch im angrenzenden Wald. Dort trifft man immer wieder auf mächtige Felsbrocken, die exzellente Boulderprobleme zu bieten haben. Und das Tolle an der Sache: die Wälder sind bei Weitem nicht so stark verblockt, wie der freiliegende Teil des Felssturzes. Mit anderen Worten: das Absprunggelände ist in der Regel hier nochmals deutlich besser. Dafür liegen die Blöcke dann auch nicht mehr so nahe beieinander und man muss schon etwas Spürsinn entwickeln, um auf verschlungenen Pfaden die Blöcke zu entdecken.

 


Blick aus dem Blockfeld Richtung Hinteres Dorf Hinterstein

 

Der wunderschön gelegene hintere Ortsteil von Hinterstein das sogenannte "Hintere Dorf Hinterstein" in einem weiten sonnigen Talkessel umgeben von mächtigen Bergen [Bild 1], beim Zugang ins Gebiet quert man zuerst die "Ostrach" [Bild 2] danach am Querweg nach links bis man wenig später den Felssturz erreicht. Ein Blick vom Wanderweg [Bild 3] auf den unteren Teil des Felssturzes. Bild 4 wurde inmitten des Felssturzes aufgenommen und zeigt das Chaos der aufeinandergetürmten Blöcke, am rechten Bildrand sieht man die Häuser von Hinterstein.

 

Eines der besten und zugleich athletischsten Probleme im High End Bereich ist "Powerload" (8a)  im Sektor Wald unten das mit einem mächtigen Dach beginnt und in einen leicht überhängenden Ausstieg mündet

 

Video "Powerload" (8a) [3,5 MB] (Climber: Kim Marschner)     (Zurück zur Übersicht Videos)

 

 

 

Noch einen Tick härter muss man in dem ebenfalls kräftig überhängenden "Mjölnir" (8a+/b) zupacken, ebenfalls im Sektor Wald unten. 

 

"Chalk Desire" (7c+/8a) im Sektor Wald oben ist zwar insgesamt etwas einfacher zu haben, hat aber dafür eine knüppelharte Einzelstelle im Programm.

 

Für "Drag & Drop" (8a/a+) im Sektor Hauptfeld unten sollte man auf jeden Fall eine sehr solide Fingerpower mitbringen, Athletik ist hier nicht ganz so der entscheidende Faktor, kann aber zumindest für etwas kleinere Kletterer bei den weiten Zügen auch nicht schaden.

 

Bilder: "Yggdrasil" (Originalmethode) im Sektor Hauptfeld unten.

 

Für Yggdrasil gibt es nun eine deutlich einfachere Methode, wohl so ziemlich die einzige Griff/Tritt-Kombination, die beim Auschecken für die Erstbegehung übersehen wurde - wohl einfach zu fixiert darauf, gleich wie im Stehstart anzukommen und einfach zu fokussiert auf die zuerst gefundene Möglichkeit. Und wie das Leben so spielt, ist das DIE Lösung, so dass das ganze in einer anderen Schwierigkeitskategorie spielt, als die Originalmethode. Die Schwierigkeit reduziert sich nun praktisch auf den ersten Zug, der im Bereich 7c/c+ liegt.

 

Video "Yggdrasil" (Originalmethode) [5,8 MB] (Climber: Harald Röker)     (Zurück zur Übersicht Videos)

 

Video "Yggdrasil" (Neue Methode 7c/c+) [3,4 MB] (Climber: Harald Röker)    

 

 

Man findet im Gebiet nahezu alles, kurze eher einfachere Probleme wie "Nimm Daas" (5+) im Sektor Wald unten [Bild 1] oder deutlich härter "Squeezer" (7a+) ebenfalls im Hauptfeld unten [Bild 2]. Ein markant höheres Problem ist im Unterschied dazu die tolle Kante von "On Fire" (7b) im Hauptfeld unten [Bild 3].

 

"Goldrush" (7c+) am selben Block im Hauptfeld unten ist dagegen ein ziemlich überhängender Kracher der eine ordentliche Athletik sowie eine solide Fingerkraft erfordert.

 

Im "Murmelebraten" (5) Hauptfeld unten [Bild 1] kann man mit Technik einiges ausrichten. Beim "Gladiator" (7a+) Hauptfeld unten [Bild 2] sollte man besser bereits über eine gute Athletik verfügen und darüber hinaus einiges an Beweglichkeit mitbringen. In der "Kreidezeit" (7b+) Hauptfeld unten [Bild 3] ist wiederum eher eine solide Finger- und Schulterkraft der Schlüssel zum Erfolg.

 

Die leicht geneigte Platte mit der gelben Nr. 57 (PD) im Hauptfeld unten [Bild 1] ist für Könner dagegen Genuss pur, für weniger versierte Kletterer jedoch schon richtig interessant. "On Air" (7a) im Hauptfeld unten [Bild 2] ist eines der vielen zwar eher kurzen, aber dafür knallharten Probleme im Gebiet.

 

Ein Problem mit schöner Aussicht ist die blaue Nummer 20 "Kantate" (4-) im Hauptfeld unten [Bild 1]. Technisch ziemlich kniffelig und deutlich fingerkraftlastig ist "Marmite" (6c+) im Hauptfeld unten [Bild 2 und 3].

 

Wer es etwas höher mag ist in der Reibungsplatte "Bigfoot" (4) im Hauptfeld unten richtig, in diesem Problem sollte man angesichts der möglichen Sturzhöhe nicht nervös werden [Bild 1]. Der Name ist Programm in "Hebinix" (6b+) im Hauptfeld unten, wer hier erfolgreich sein möchte muss jedenfalls ganz ordentlich Gas geben [Bild 2]. "Troubadix" (6b) im Hauptfeld unten [Bild 3] ist zwar eher kurz, aber technisch nicht ohne und auf jeden Fall ebenfalls ein athletisches, interessantes Problem.

 

Gleich links von "Bigfoot" gibt es am selben Block die tolle Kantenquerung "Steinzeit" (6a):

 Video "Steinzeit", Fb 6a [6,3 MB] (Climber: Ulrich Röker)     (Zurück zur Übersicht Videos)

 

 

"Die Glorreichen 2" (5-) im Hauptfeld unten [Bild 1] ist eines der zahlreichen leicht überhängenden mittelhohen Probleme im Gebiet. "BiBaBouldermann" (5+) im Hauptfeld unten [Bild 2] ist dagegen ein ausgesprochen kurzes Teil, aber trotz mangelnder Höhe ist dieser Boulder gar nicht so einfach zu knacken.

 

Eines der schönsten Probleme im Gebiet ist die hohe Kante "Orca" (7c) im Sektor Wald mitte, knallharte Züge und technisch schwierige Bewegungssequenzen in steilstem Gelände erwarten mögliche Wiederholer.

 

Im "Boulder Highway" (5+/6a) im Sektor Wald mitte [Bild 1] sollte man seine Nerven im Griff haben, denn in der geneigten Platte sind die Griffe auch in großer Höhe nicht besonders gut. Den besagten "Filmriss" (4) im Sektor Wald mitte [Bild 2] könnte man erleiden wenn man in diesem Problem unvermittelt abfallen würde, doch die fast durchweg ganz guten Griffe in der markanten Rissspur an diesem mächtig hohen Problem sollten dies eigentlich verhindern, sofern man sich der Sache gewachsen zeigt.

 

Nicht allzu hoch, aber dafür mit einem knallharten weiten Schulterzug präsentiert sich der "Master Summoner" (7b) im Sektor Wald mitte [Bild 1]. Die markante Kante von "Master Doorkeeper" (5-) im Sektor Wald mitte [Bild 2] ist dagegen eher ein technisches Problem und man muss hier Einiges bieten, um dem "Offene Tür Effekt" entgegenzuwirken.

 

Ein neues Problem im Sektor Wald mitte [Bild 1] kommt dagegen wieder zumindest am Start sehr athletisch daher. Ein toller Block im Sektor Wald oben beherbergt die leicht überhängende Wand von "Megalon" (6c), fingerkraftbetonte Leistenkletterei mit weiten Zügen ist hier angesagt [Bild 2].

 

Brutal harte Züge vom Boden weg sind in der leicht überhängenden Wand von "Midgard" (6c+) im Sektor Wald oben zu bewältigen [Bild 1]. Gleich daneben befindet sich mit "Thumbstone" (7a) ein Problem das noch eine Tick härter daherkommt [Bild 2].

 

 "Bifröst SD" (6c+) im Sektor Wald mitte [Bild 1 und 2] ist wiederum eines dieser zahlreichen genialen Probleme die unvermittelt im dichten Bergwald auftauchen, enorm abwechslungsreich, technisch schwer und dazu in diesem Fall nicht gerade von der niederen Sorte.

 

Die Liste der tollen Probleme ließe sich an dieser Stelle noch endlos fortsetzen, doch um einen ersten Eindruck vom Gebiet zu erhalten sollte dies genügen. Wir wollen Euch ja nicht alle Überraschungen nehmen, denn genau das ist ja ein wesentlicher Teil des Bouldersports. Die Möglichkeit immer wieder unvermittelt auf ein Problem zu treffen, welches genau zu einem passt, auf das man sozusagen bereits sein halbes Leben gewartet hat. Im Felssturz von Hinterstein hat man jedenfalls gute Chancen genau diese Probleme zu finden, viel Spaß beim Suchen...